Lyrik, Poesie, Belletristik, Schriftsteller, Poet, Lyriker, Autor, Christian Englert, Lisa Maito, Blumen, Kunst, Fotografie, Malerei, ZEN, Buddhismus




Bashôs bekanntestes Haiku *):
Ein alter Teich
ein Frosch springt hinein.
Klang des Wassers
Mit seinen Schülern dichtete Bashô Kettengedichte, eine Gemeinschaftsdichtung von mindestens zwei Dichtern. Diese Gedichtform ist einzigartig in der Weltliteratur und seit dem 13. Jahrhundert überliefert, ohne Entsprechung in der westlichen Literatur.
Bei Bashô’s tiefer Verbundenheit mit der Natur steht das Menschliche keineswegs abseits. Viele Menschengestalten bevölkern seine Natur- und Wanderlyrik. Seine Lebenshaltung und Weltsicht war die eines „Haikai-Menschen“, eines Dichtertyps, den er geprägt hat und der eine besondere Art der Selbstvervollkommnung verwirklicht.
„Auf schmalen Pfaden durchs Hinterland“ ist Bashô’s bekanntestes Hauptwerk, ein Reisetagebuch in Prosa mit vielen Haiku von ihm und seinem Begleiter und Dichter-Schüler Sora. Darin steigert sich das Ineinandergreifen von Leben (Wandern) und Dichtung zur höchsten Durchdringung. Das Buch kann kaum einfach in einem Stück gelesen werden. Ohne zen-buddhistische Vorkenntnisse der Herausgeber und ihrem gigantisches Wissen chinesischer und japanischer Gedichte und ohne die kundigen und einfühlsamen Anmerkungen des deutschen Übersetzers und Japanologen G.S. Dombrady wäre die Lektüre wohl kaum zu verstehen und zu geniessen.
(3. Neuauflage in Dieterich’sche Verlagsbuchhandlung, Mainz, 2007, ISBN 978-3-87162-002-7).
Bashô starb 1694 kurz nach seinem Aufbruch zu seiner letzten Wanderung.
In Osaka, im Hause eines Freundes ereilte ihn am 12. Oktober 1694 der Tod. Kurz zuvor schrieb er sein Abschiedsgedicht:
Erkrankt auf der Reise
Flattert mein Schmetterlingstraum
Über die öde Heide
Im gleichen Jahr starb auch seine Geliebte Jutei. Er erhielt diese Nachricht unterwegs, als er bereits zu seiner letzten Reise aufgebrochen war. Sein Verhältnis zu dieser Frau begann in jungen Jahren in Kyoto. Später, nach der Geburt eines Sohnes, trennten sich ihre Wege. Jutei wurde Nonne. Erst in Bashôs letzten Lebensjahren fanden sie sich wieder zusammen. Anlässlich des Bon-Festes (japanisches Totenfest) jenes Jahres verfasste Bashô zu ihrem Angedenken das folgende Seelentrostgedicht:
Glaubt nicht, sie hätte
mir nichts bedeutet – Seele,
der dies’ Totenfest geweiht!
Haiku zu Bashôs Tod:
(Yosa Buson (1716-1783) gehörte zum engsten Schülerkreis Bashôs und hatte eine bleibende Verehrung für seinen Meister. Hier ein Haiku zu seinem Tod)
Seit Bashôs Tod
Geht kein einziges Jahr mehr
zu Ende …
*) Copyright: Die hier eingebrachte Grafik und die deutschen Übersetzungen der Haikus sind den sechs Büchern zu Bashô und zu seinen Schülern in der Dietrich’schen Verlagsbuchhandlung Mainz 1994 - 2006 entnommen worden.
Der Wanderpoet Matsuo Bashô. *)
Matsuo Bashô wurde 1644 in Ueno, in der Umgebung von Kyoto geboren. Über sein Leben ist wenig bekannt. Ein kurzer Lebenslauf ist in der Bashô-Sarumino- Haiku-Sammlung, 1994 der Dieterichschen Verlagsbuchhandlung ISBN 3-87162-034-3 enthalten. Schon früh wurde er als Haiku-Wanderpoet erkannt und verehrt, denn er war mehr als nur ein Wanderer, mehr als nur ein Dichter. Seine Wandertagebücher gingen über den Selbstzweck des Dichtens und Wanderns hinaus. Dieses Wandern könnte man heute als inneren Vorgang bezeichnen. Sie stammt von buddhistischen Bettel- und Wandermönchen, denen Wandern einer Berufung aus tiefer Erfahrung entsprach und zur lebenslänglichen Übung wurde. 1684 trat er seine erste Bergwanderung an. Sie galt der Besteigung der heiligen Berge Fuji-san und Ise (auf der malerischen Halbinsel Shima). Im Jahr 1689 startete er seine legendäre Reise in den japanischen Norden, bekannt durch sein Reisetagebuch Oku no Hosomichi, japanisch: (Auf schmalen Pfaden ins Hinterland), während dessen Verlauf er einige seiner feinsten Haiku schrieb. Bei seinen zahlreichen Wanderungen dichtete und zeichnete er seine malerischen Motive von Kiefer, Bambus oder von einer Landschaft, um sich tiefer „hineinzufinden“ oder das Selbst in allem und alles im Selbst zu erfahren. „Bashô“ heisst wörtlich „Die Bananenstaude“. So wurde das Wandern als Leben und das Leben als Wanderschaft zu seiner Grunderfahrung. Wir finden bei ihm keine intellektuellen Theorien oder Strukturen. Er wehrte sich gegen „metaphysische“ Auslegungen eines Haiku. Hingegen ist für Bashô und für seine zahlreichen Schüler jeder Reiseweg ein Lebensweg. In seiner Haikudichtung erscheinen Wachstum und Tod, Gedeih und Verfall bei Pflanzen, Tieren, Menschen.