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Der Autor und Lyriker Christian Englert
Der Autor und Lyriker Christian Englert
Der Autor und Lyriker Christian Englert
Ein Weg in die Weite des Zen
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Ein Weg in die Weite des ZEN.

 

Als ich zum ersten Mal die Schwelle eines Soto-Zen-Dojos überschritt, betrat ich einen in meinen Vorstellungen nicht vorhandenen Raum. Gemäss den erhaltenen Instruktionen verneigte ich mich mit Gassho und setzte mich auf das mitgenommene Safu, um mich auf das ruhige Atmen und auf die aufrechte Haltung zu konzentrieren. Ich beabsichtigte und befolgte nichts Spektakuläres, kein spirituelles Abenteuer, keine Esoterik, vielmehr einen natürlichen Ablauf, den Gang ins „Gewöhnliche“. In der ZAZEN Meditation wird nicht nach etwas Verborgenem gesucht, nichts Heiliges angestrebt, aber im vergänglichen Augenblick die Weite erkannt. Denn in dieser Weite können Körper und Geist „abfallen“ sodass sich unser „ursprüngliches Antlitz“ unmittelbar zeigen kann. Dieser Weite bin ich auf meinen Wanderschaften als der gewöhnlichen, nicht verformten Wirklichkeit begegnet. Kekai sekai-ki: Wenn Blüten sich öffnen, entsteht die Welt. Das ganze Universum erblüht in einer einzigen Pflaumenblüte. Die ZAZEN-Praxis ist nichts Abgehobenes, vielmehr im Alltag eine weite Öffnung zu Menschen und zu den Dingen. Dieses „Ganze“ spiegelt sich in sich und schliesst nichts aus. Es kann so ursprünglich als „leer“ erfahren werden.

 

Aber „Wissen“ aus der Wahrnehmung dieser Erfahrung ist nicht ein Akt des Verstandes. Wissen im ZAZEN ist Sein, vermittelt keine neuen Inhalte, sondern ist eine innere Quelle zum inneren Auge des Selbst, existenziell, ontologisch.

 

Dass die kosmische Teilhabe so erfahren wird, zeigt sich im Leben und konkret im Sterben…oder in der Liebe. Der Sterbende taucht wieder ein in den Kreislauf ewigen Seins und kann schauend Anteil daran nehmen…sofern er sich in seinem Leben darauf vorbereitet hat, in der Meditation, auf Sein, nicht auf Haben. In Zen- Übungen, wie im Leben, im Sterben und in der Liebe, dient das Einatmen dem Ausatmen. Beides zusammen bildet die Drehtüre; sie dreht sich im Sein: Das langsame Ausatmen in das Loslassen, weg vom Anhaften, hinein in die freie Hingabe an die Ruhe des Geistes; Geben und Nehmen in der Drehtüre. Aber Geben ist besser als Nehmen, im Leben wie in der Liebe.

 

Bei einem 10-tägigen ZAZEN-Sesshin ruhte ich eines Abends auf einer Bank aus. Ich war kurz eingenickt und wurde überrumpelt als meine Vergangenheit mit sämtlichen Freuden und Leiden in der Form einer kompakt brennenden Kugel auf mich zurollte und von mir abfiel. Das war ihr Ende. Ich erschrak zunächst vor der geöffneten Leere. Was blieb, war die Mitte in mir, eine als „ursprüngliches Antlitz“ erkannte offene Weite.

 

Voilà - c’est tout.

Nichts Heiliges, nur offene Weite!               

(Christian Englert, 4.9.2007)