Brücke über den Teich

Vor Ablauf vorgegebener Zeiten
erklingt im Raum uralter Bäume
der Schlag von Holz auf Holz
dumpf und weit.


Zeichen
zum Überschreiten
stiller Wasser,
wo schaukelnd
sich spiegelt das Schilf
in undurchsichtig versunkenem Teich.


Darüber der Bogen
der in sich ruhenden Brücke.


Du läufst hinüber,
wo ein anderes Zeichen
dich ruft -
fern von ausgetretenen Pfaden -
zum letzten Überschreiten der Schwelle.


Dann nur noch
lautloses Zusammenfliessen
von Räumen, Klängen und Zeiten.

Brücke über den Teich

Auf der Suche verlorener Welten

suche luftige Felswand

diesseits des Ufers

 

auf der anderen Seite

Gipfel im Himmelsgewölbe

 

Glück der Bussarde

 

in der Nacht

vom Mondlicht träumen

 

wenn aus schimmerndem See

der weisse Drache trinkt.

 

weshalb noch reisen?

Auf der Suche verlorener Welten

 

 

Gedichte und Lyrik © 2008 by Christian Englert. Blumenfotos und Portraits © 2008 by Lisa Maito

 

Geheimnis der Knospe

Was unsichtbar,

unfassbar

unsagbar

glaubte ich

zu sehen, zu hören.

 

Beim letzten Gesang

der Amsel,

nach verstummen

des Hundegebells,

verhallten

Schritte und Schatten

auf schlafenden Pfaden.

 

Da erklang

im nächtlichen Windhauch

der Sterne,

unsichtbar weiss

auf Schnee oder Asche,

die Stimme der

Kirschblütenknospe.

Geheimnis der Knospe

 

Gedichteauswahl 2006 - 2008 von Christian Englert mit Photos von Lisa Maito und Christian Englert

Wortlose Zeichen

Wortlose Zeichen

öffnen den Blick ...

 

wovon sie handeln

weiss ich nicht

 

jenseits der Sicht

find ich vielleicht

 

Schlüssel

 

zum verwobenen

Worüber

Wortlose Zeichen

 

Namenloses

Wo

Namen

zu Fallen

werden

 

hör ich auf

Klänge

 

Namen

grenzen

Töne

ein

 

Namenlose Klänge

weiten

enge

Räume

 

lassen

Städte

hinter sich

 

nur

der die Töne der Welt sieht,

bleibt namenlos

Namenloses

 

Seerose

Tau sammelt sich
in erwartungsvoll
schlaftrunkenen Blättern

bis Sonnenschein
sich nähert

in zögernder Drehung
aus nächtlichen Wassern
noch von Träumen getrieben
erwacht Seerose zur Blüte

öffnet sich

wer hat die Biene gerufen?
woher flog sie als sie flog
Nektar
lustvoll zu küssen?

 

Seerose

Auf der Suche

verlorener Welten

Bruecke ueber den Teich

Brücke

über den Teich

Geheimnis der Knospe

Geheimnis

der Knospe

Wortlose Zeichen ...

Wortlose Zeichen

öffnen den Blick

Namenloses
Seerose
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Ohne Abschied

…ist er weggegangen,

ohne sich zu vergewissern,

ob alle Lichter gelöscht sind?

 

am Briefkasten vorbei,

ohne umzuschauen,

ob jemand nachblickt,

ins Freie gelaufen?

 

In der Zeitung stand,

er sei verschollen

in einem Wirbelsturm.

 

Über hohe Drachenfelsen,

wo Wälder und Gletscher rauschen,

sei er aus der Zeit gesprungen

oder geholt worden

an das andere Ufer.

 

In Wirklichkeit zog er

nur die Sandalen aus,

um barfuss über die Brücke

hinüberzugehen,

 

ohne Spuren

auf bunten Blättern und Kiefernnadeln

zu hinterlassen.

Ohne Abschied
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Ohne Abschied

 

durchqueren räume, körper und wasser

sie kennen kein gestern,

kein morgen,

ihr heute ist grenzenlos,

wird nie unterbrochen,

ohne anfang und ende.

 

augenstrahlen fliessen aus ihnen,

kehren in sie zurück,

sind reigen der sterne

sich wiederholende tänze der im all

einzig gegenwärtig bleibenden

unendlichen linien.

Unendliche Linien
unendliche linien
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zurück zu meinem Stein ...

Keine Strukturen,

keine Systeme,

oh Gott, nur keine Logik,

an langweilger Wäscheleine.

 

Leben hängen lassen,

zeitlos, damit ich

mit dem Lauf der Zeit,

allein sein kann,

den Wolken zusehe,

bevor sie verschwinden

mit dem Verblassen

meines Abends.

 

Beim letzten Schein

nur bleiche Schatten

am äussersten Rande

rollende Brandung

vor der Felsenküste

und Möwengeschrei

 

überflüssig die Frage

nach Wegen des ersten Schrittes,

 

zu meinem Stein.

 

Zurück zu meinem Stein

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Zurueck zu meinem Stein

Zurück

zu meinem Stein

CARNAC - Gesang der Menhire

…sah ich Menhire?

woher kamen sie als sie kamen?

wohin gehen sie wenn sie gehen?

im Dunkel der Zeiten

steinern geordnet in offenen Räumen?

 

Lautlos verhallt ihr Gesang

 - seit 5000 Jahren:

 

“das sich selbst Bewegende

nie verlässt es sich selbst

kann weder untergehen

noch entstehen.“

 

Im Schatten der Dämmerung

haucht aus der Erde

das Raunen ihrer Reihen

in verlorenen Sprachen

archaischer Weisen

zu Ehren der Ahnen.

 

Abseits - ein Druide -

aus Stein, transparent,

zeichnet den Kreis,

 

schaut mir nach,

als sollt ich wiederkehren

im Abglanz der Zeiten

 

“genau hier“.

CARNAC - Gesang der Menhire

CARNAC - Gesang der Menhire

 

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CARNAC - Gesang der Menhire

Carnac

Gesang der Menhire

Spuren im Schnee

Unendliche Linien

als meiner Hand das Saiteninstrument entglitt ...

 

“ … als meiner hand das saiteninstrument entglitt …“
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“ … als meiner hand das saiteninstrument entglitt …“ (Heinrich Heine)

nach mitternacht deine stimme

sehr leise,

kaum hörbar,

oder täuschte ich mich?

 

vielleicht das säuseln

des nachtwindes

bei mondaufgang?

 

oder das plätschern

der wellen

im schilf?

 

auch das war es nicht

 

ich hielt den atem ein,

lauschte

in den sternenhimmel

 

als ahnungsvoller abschied

schwingt nun

dein klang

mit meiner saite.

Zeichen der Ferne

Zeichen der Ferne

am ufer

suchst du vergeblich

zwischen muscheln und korallen

nach zeichen der ferne

 

erscheinen wortlos

lichter und schatten

aus ungesagtem

 

auf vergessenen inseln

 

im ozean

einer untergegangenen

sonne.

 

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Zeichen der Ferne
Ausserhalb

 

Ausserhalb

Ausserhalb

buchstaben am wegweiser

aus versehen

verkehrt geschrieben

 

klänge hört’ ich

am wegrand

hinter dem strauch

 

als würdest du kommen

aus der ferne

wie schnee

 

die stimme rief mich

vernehmbar

jenseits von diesseits

 

draussen flogen marksteine

losgelöst

von heute, gestern und morgen

 

zeitlos weht wind

ausserhalb

der grenzen des weltalls

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Keine Klänge, klagt der Fischer,

Fischerlieder

hab ich nicht singen können,

 

da schwappt die Welle:

 

Klänge seien ertrunken

als sie hinüber schweben wollten,

zu andern Ufern,

wo Wellen plätschern.

 

Denn sie wurden nicht erkannt

weil mit anderen Schlüsseln

sie erklangen

als der Fischer sich gewohnt.

 

Nicht so schlimm

sagt die Welle

wir können auch ohne Fischer

unsere Schlüsse ziehen.

Fischerlieder

Fischerlieder
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Fischerlieder
nächtliche Fernblicke

Nächtliche Fernblicke

Unsere Blicke

wollen ausfliegen,

um sich über den See hinweg

bei fernen Schneegipfeln

wiederzufinden.

 

Wenn die Nacht aufzieht,

wollen sie sich Sternbilder merken,

um träumend alles Ferne zu schauen.

Kometen aus Galaxien

werden wie Meereswellen

über uns verebben.

 

Solange du mit mir erwachst

lass uns hier zurückkehren,

bis aufgehendes Sonnenlicht

uns die Augen öffnet.

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Nächtliche Fernblicke
Auf der Suche verlorener Welten
Letzer Blick
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Abschiednehmen

vom Tal,

von der Wand und der Bergkante

vom zeitlosen Rauschen

der Winde und Flüsse.

 

Am Fusse der Wand

stehen bleiben

in Wäldern

aus Lärchen und Arven,

leuchtenlassen

die vertrauten Blumen.

 

Noch einmal, bei Sonnenaufgang

den Aufstieg beginnen,

spähen

zu den Graten, Wänden und Gletschern.

 

Dort oben, auf dem

von Stürmen, Sonnen und Schnee

umbrausten Gipfel

 

steht er nicht mehr,

der Drache aus mir.

Letzter Blick

 

Letzter Blick

reisender ohne ticket

bei mitternacht.

gelöscht das theaterlicht

draussen nur dunkelheit,

wenn er durch einsame

strassen schlendert,

 

unbekannte

ihn ansprechen,

noch lebendig genug

für einen doppelten drink

an der bar,

wo dumpfer rocksound

beschallt nächtliche sätze

und überdeckt

sinne ohne worte.

 

doch dann,

im zwielicht

des anbrechenden tages

hört er das rufen

der eigenen stimme.

 

barfuss und ohne hut

erfreut er sich

im licht der morgenröte

an dem ersten gesang

seiner wiedergefundenen amsel.

„von der reise erschöpft …

„statt eine bleibe zu suchen - -

„da: die glyzinien!“

(Matsuo Basho,, jap. 1644-1694,

“auf schmalen pfaden durchs hinterland“.)

Alptraum ohne Ticket
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albtraum ohne ticket

 

Alptraum ohne Ticket
Raetselhaft
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Aus unendlicher Nacht

 

sinkt

 

LICHT

 

in das Herz

 

deiner Blume

Rätselhaft

 

Raetselhaft
Blaue Frau
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Blaue Frau

(AELO Blue Woman gewidmet)

Bei halbgeschlossenen Augen,

erblick ich

ihr Erscheinen

in vertrauter Silhouette,

hinter Maske verschleiert

ihr lachendes Gesicht.

 

Kaum sichtbar

ein zartes Handzeichen

ihr behütetes Geheimnis?

 

blaue frau

 

zeitlos
Stille der Schneeflocken
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wenn schneeflocken lautlos fallen

dicht zwischen bäumen und sträuchern

verharren zugedeckt wege und spuren

 

schritte langsam versinken

in klirrender kälte

 

mein atem - nur ein hauch -

schaut und hört

klopfen im herzen

 

bis auch er stockt

unheimlich berührt

 

in stille erstarrt

unter leerem himmel.

Stille der Schneeflocken

 

Spuren im Schnee

Auf einem Pfad,

den niemand sah,

so weiß verschneit,

Spuren liefen wie Füße

zur Verzweigung.

 

Dort hielten sie an,

bis zweite Spur

sich zur ersten gesellte,

in kleineren Schritten.

 

Beide gingen so

nebeneinander

im windigen Schneetreiben

vielleicht umschlungen,

 

Hände haltend

einen Fuss vor dem andern

behutsam

spurend im Neuschnee.

 

Nachdem sie sich wendeten,

hielten sie an,

die Füße nebeneinander

setzend,

dann schritten sie weiter,

 

bis zum Steg,

der mit ausgestreckten,

gefrorenen Fingern

zeigte den Fluss.

 

Dort zögerten sie,

zauderten -

nach verschlafenen Träumen

von fernen Ufern.

 

Möwen flogen kreischend

dazwischen, störten

den ruhig fliessenden Strom.

 

Auf vereistem Weg

versäumt ich

die Spuren zur Fähre,

weil fremde Winde

verwischten den Schnee

 

Es waren unsere Spuren.

 

Warum sind sie sich nicht

schon früher begegnet?

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Spuren im Schnee

Stille der Schneeflocken

 

Baumrinde
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Sobald der Wind

Regentropfen

verflossener Zeiten

fallen lässt,

 

Rillen in Baumrinden,

dicht aneinander eingekerbt

winden sich,

zum raunenden Murmeln

der Schamanen

 

Wenn dein Atem

darüber streift,

werden nahende Geräusche

zu letzten Begleitern,

die den sterbenden Schein

mit nie erfahrener Liebe decken.

 

Kehrt der Schein zurück

zum Leben?

Baumrinde

baumrinde
Himmelsrichtungen

(mit dem Klick auf das Bild erscheint das Gedicht)

 

Himmelsrichtungen
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gegen Westen

 

Beim Morgengrauen

bläulicher Schleier

kühl und fern

hebt Blicke

über Horizonte hinweg.

 

gegen Osten

 

Gelb-rötlicher Schimmer

kündigt wärmend

den Sonnenaufgang an.

 

am Himmelsgewölbe

 

Blau ist die Tiefe

Blicke verlieren sich in ihr

lösen sich im Unendlichen auf.

Blau ist transzendent, immateriell

Farbe der Leere am Himmelsgewölbe.

 

im Fernen Osten

 

Blendend weiss

die Erfahrung des klaren Lichtes,

des Göttlichen im Bardo.

Spiegelgleiche Weisheit.

ist das Juwel,

in der Hand des Buddha

von Licht durchflutet

nach deinem Tod.

 

 

 

      Welche Farbe

      Ist dir bestimmt?

… aus allen Himmelsrichtungen erscheinen Farben

 

Himmelsrichtungen
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Ein Dichter

sieht Unendlichkeit im Augenblick,

bevor Unschärfen der Zwischenzeit

alles verwischen.

 

Über Wellen seiner Dichtung

schreitet die Seherin,

erblickt ihn,

schaut ihm in die Augen.

 

Ihm weiten sich die Augen.

Sie schauen ungeahnte Tiefen.

Er wird sie

nicht mehr schliessen.

Zwiesprache der Augen.

Zwiesprache der Augen

 

zeitlos
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herbstzeitloses

braucht keine zeit

im abendlicht

 

stilles wasser

ist licht im schatten

ist horizont

wenn zeit ist da

 

aber zeit ist immer

nimmt nie ein ende

bewegt den wind, damit

locken golden leuchten.

Zeitlos