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Den verschiedenen Lebensabschnitten kann entnommen werden, wie sich Christian Englert seinen letzten Deutungsversuchen nähert. Er ist 1928 im Engadin geboren. Nach Absolvierung des humanistischen Gymnasiums in Ascona und in der Klosterschule Einsiedeln (Matura 1948) widmete er sich dem Studium der Philosophie und der Rechtswissenschaften an den Universitäten Fribourg, Rom, Genf und Basel mit Promotion zum Dr. iur. 1962 absolvierte er das Advokaturexamen zur Zulassung an den Gerichten. Ab 1964 bis 1997 selbständige Anwaltskanzlei in Basel. Nebenamtlich Vize - Präsidium am Verwaltungsgericht des Kantons Basel - Landschaft. Er ist verheiratet, hat eine Tochter und zwei muntere Enkelinnen. Die Inspirationen zu seiner Belletristik holte er sich in ausgedehnten Bergwanderungen und in der Abgeschiedenheit der Alpen und des Himalaya sowie in schriftstellerischen und musikalischen Liebhabereien. Der Künstlerin Lisa Maito begegnete er in Ascona 1999. Aus dieser Zusammenarbeit entstanden originelle Formen von Lesungen in Verbindung mit tänzerischen Inszenierungen.
Seit 1990 praktiziert Christian Englert ZEN unter der Leitung anerkannter Meister in der Tradition des japanischen Soto-Zen. Die altersbedingte Schliessung seiner Anwaltskanzlei (1997) ermöglichte ihm, sich intensiver dem Studium buddhistischer Literatur zu widmen (siehe dazu in LYRIK das Kapitel “Ein Weg in die Weite des Zen“). Der durch die hierarchiehörigen Vertreter der katholischen Kirche gelehrte absolute und unfehlbare Besitz der Wahrheit veranlasste ihn zum Kirchensaustritt, schon aus Gründen der Gewissensredlichkeit.
Dem Suchenden stellte sich die Frage: Was folgte historisch im vorletzten Jahrhundert der “modernen“ Aufklärung und der Säkularisierung? Die Entleerung der Kirchen? Das wurde in Rom als Niedergang der Religionen empfunden und statistisch festgenagelt. Seither zelebriert Papst Benedikt XVI die Religion der Massen und füllt damit Fussballstadien und mediale Grossräume. Die Kirchen jedoch bleiben leer. Der Mitgliederschwund wird durch die Macht des Papsttums nicht aufgehalten. Im Verlaufe der letzten Jahrzehnte befreiten sich ganze Bevölkerungsschichten vom absoluten Wahrheitsanspruch der Kirchen und entdeckten ihr seit Urzeiten bestehendes Transzendenzbedürfnis im eigenen Selbst. Aus der Wiederentdeckung uralter vorchristlicher Traditionen und aus den Schriften urchristlicher Religiosität der ersten Jahrhunderte sowie der Mystik, entstand und entsteht eine neue spirituelle Kultur. Die Wirklichkeit des Schöpferaktes wird eigenständig und unmittelbar in jedem aufmerksam suchenden Menschen erfahren. Historiker stellen fest, dass der Zerfall der etablierten religiösen Institutionen Hand in Hand mit einer Zunahme individueller Religiosität geht (Ulrich Beck).

Die Lyrik von Christian Englert wurde in der klaren Knappheit einer Ausrichtung nach inneren Weiten geschrieben. Die aus der Sicht der Wahrheit erfahrene geistige Freiheit ist der Kernwert seiner spirituellen Existenz. Bei der Wahrnehmung offener Weiten in der Natur wird Schönheit und das Geschenk eines zentrierten Lebens erfahren. Diese Texte sind weniger dem Blick des Publikums als der eigenen Erfahrung verpflichtet.
Biographisches zu Christian Englert
Das sind Formen ursprünglicher Religiosität, die mit den orthodoxen katholischen Lehren unvereinbar sind, obwohl, selbst nach dem Wortlaut der Bibel, der Mensch zur direkten Teilnahme am innergöttlichen Leben geschaffen wurde.