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Der Autor und Lyriker Christian Englert
Der Autor und Lyriker Christian Englert
Udumbara und Buddha, Buddha mit Blume aus dem Museum Guimet in Paris

Die Udumbara Blüte

Blumen wie die Lotusblume, die Dharmablume, die Udumbara-Blüte sind in den fernöstlichen Traditionen Metaphern für die Einsicht in die Weisheit und Wirklichkeit des Universums.

 

Die Udumbara-Blüten erscheinen zunächst in der hinduistischen Literatur als Blüten ausserhalb der Jahreszeiten. Der Udumbara-Baum ist ein grosser tropischer Baum aus der Familie der Maulbeerbäume. Die sehr kleinen Blüten wachsen um die Frucht herum, sodass sie eher wie eine Schale aussehen und nicht wie Blüten. Aus diesem Grund glaubten die Menschen im alten Indien, der Udumbara-Baum hätte keine Blüten oder blühe nur alle fünfhundert Jahre.

Der Autor und Lyriker Christian Englert

Im Verlaufe der Jahrhunderte benützten manche Meister die Udumbara - Blüte als ein Symbol für etwas, was sich sehr selten ereignet, wie z.B. für die Verwirklichung der Wahrheit oder als Geistblüten von besonderen Menschen, die erscheinen und nach Erfüllung ihrer Aufgabe verschwinden.

Es kam vor, dass ihr Erblühen mit einem Erdbeben in Verbindung gebracht wurde. Doch nicht die Erde bebte. In Wirklichkeit war es der schlafende Geist der Menschen, der aufgerüttelt wurde.

 

In den Legenden um Buddha wird eine Begebenheit weitergegeben, die seit Jahrhunderten in der buddhistischen Literatur als Schlüssel-Ereignis dargestellt wird und sich zu einer Grundlehre gefestigt hat.

Buddha hielt vor einer grossen Versammlung eine besondere Rede erhob sich dann langsam, nahm eine Udumbara-Blüte in die Hände und hielt sie vor der Versammlung hoch. Buddha sagte kein Wort beim Hochhalten dieser seltenen Blüte. Die Menschen waren verwirrt und überlegten, was er wohl damit meinte und was geschehen wird. Da schaute er über die Menge hinweg und lächelte: “Ich habe das Auge des wahren Dharmas, den Schatz der wunderbaren Einsicht, und gerade habe ich ihn an Mahakassapa (ein Jünger Buddhas) weitergegeben.“ Alle blickten zu Mahakassapa und sahen, dass auch er lächelte. Als die Menschen wieder Buddha anblickten, sahen sie, dass die Udumbara-Blüte in seinen Händen neu erblüht war. Mit Daumen und Zeigefinger hielt er den Stiel der Blüte und sprach:

“Diese Blüte ist wunderbare Wirklichkeit. Als ich euch die Blüte hinhielt, hattet ihr alle die Gelegenheit, das zu erfahren. Mit einer Blüte in Berührung zu kommen bedeutet, mit einer wunderbaren Wirklichkeit in Berührung zu kommen. Es bedeutet, mit dem Leben selbst in Berührung zu kommen… Die Udumbara-Blüte in meiner Hand ist nur für die wirklich, die achtsam im gegenwärtigen Moment weilen. Weilt ihr nicht im gegenwärtigen Moment, existiert die Blüte nicht wirklich.“

 

Mahakassapa wurde seit diesem Ereignis von der Menge als der durch Buddha zur Verbreitung

seiner Lehre als erster erkorener Jünger erkannt.